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Digitale Nachhaltigkeit in Thüringen: Megatrend & Verantwortung

Digitale Nachhaltigkeit ist einer der zentralen Megatrends unserer Zeit. Sie beschreibt, wie digitale Technologien so eingesetzt werden, dass sie ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele gleichzeitig unterstützen. Auch in Thüringen gewinnt das Thema an Bedeutung: Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stehen vor der Aufgabe, Digitalisierung verantwortungsvoll zu gestalten und langfristig Ressourcen zu schonen.

Dieser Überblick zeigt Dir, wie nachhaltige Digitalisierung konkret aussieht und welche Initiativen den Wandel im Freistaat vorantreiben.

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Nachhaltig ist das neue profitabel – warum digitale Nachhaltigkeit wirtschaftlich überzeugt

Nachhaltigkeit ist längst kein reines Ideal mehr, sondern ein echter Wettbewerbsfaktor. Digitale Nachhaltigkeit hilft Unternehmen, Kosten zu senken, Prozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig Umwelt- und Klimaziele zu erreichen. Digitale Lösungen reduzieren Energieverbrauch, vermeiden Materialverschwendung und schaffen Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Warum sich nachhaltige Digitalisierung auch finanziell auszahlt und weshalb immer mehr Unternehmen diesen Weg einschlagen, erfährst Du in unserem Interview mit Markus Klahn, dem CEO der Intershop Communications AG, und Christian Schädlich, Experte für Digitalwirtschaft des Thüringer ZeTT.

Green IT in Thüringen

In Thüringen wird Green IT nicht nur als ökologische Notwendigkeit, sondern als handfester Standortvorteil für die digitale Transformation verstanden. Das Land setzt dabei auf eine enge Verzahnung von Spitzenforschung und industrieller Anwendung.

1. Forschung und Innovation: Die Treiber

Thüringen profitiert von einer starken akademischen Basis, die Lösungen für energieeffiziente IT entwickelt:

2. Rechenzentren und Infrastruktur

Ein Fokus liegt auf der nachhaltigen Abwärmenutzung und Effizienzsteigerung:

  • Nachhaltige Serverstandorte: In Städten wie Erfurt und Jena entstehen zunehmend Rechenzentren, die moderne Kühlsysteme nutzen. Ein Beispiel ist das Thüringer Landesrechenzentrum (TLRZ), das als zentraler IT-Dienstleister des Freistaats auf hohe Sicherheits- und Effizienzstandards setzt. Durch den Einsatz innovativer Technologien wie der „freien Kühlung“ oder der Abwärmenutzung leisten diese Standorte einen wichtigen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs in der Region.
  • Mittelstand-Digital Zentrum Ilmenau: Dieses unterstützt thüringische KMU dabei, IT-Prozesse ressourcenschonend zu gestalten, beispielsweise durch die Migration in effiziente Cloud-Strukturen

3. Förderung und Vernetzung

Das Land unterstützt Unternehmen aktiv bei der Umsetzung von Green IT-Maßnahmen:

  • Thüringer Aufbaubank (TAB): Über Programme wie den Digitalbonus Thüringen können KMU Zuschüsse für die Digitalisierung von Betriebsprozessen erhalten. Dies ermöglicht Investitionen in moderne IT-Infrastrukturen, die nicht nur die Effizienz steigern, sondern durch geringeren Energieverbrauch direkt zur Ressourcenschonung beitragen.
  • Thüringer ClusterManagement (ThCM): Als zentrale Vernetzungsstelle fördert das ThCM den Austausch zwischen IT-Dienstleistern und Industrie. Ziel ist es, Synergien für eine „grüne“ Mikroelektronik und nachhaltige Softwareentwicklung zu nutzen, um Thüringen als Standort für energieeffiziente Hochtechnologie zu stärken.
  • Thüringer Energieagentur (ThEGA): Die Landesenergieagentur berät Unternehmen und Bürger zu Energieeffizienzmaßnahmen und hilft dabei, Potenziale für Stromeinsparungen zu identifizieren.
  • Verbraucherzentrale Thüringen: Für alle Bürgerinnen und Bürger bietet die Verbraucherzentrale eine unabhängige Energieberatung an. Experten helfen dabei, den Stromverbrauch von IT-Geräten im Haushalt zu analysieren und geben praktische Tipps für einen nachhaltigeren digitalen Alltag. 👉 Zur Seite der Energieberatung der Verbraucherzentrale Thüringen
Symbolbild, das die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit darstellt, mit einer Hälfte Gehirn in digitaler Technik und der anderen Hälfte aus grünen Pflanzen
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Wie viel KI verträgt die digitale Nachhaltigkeit?

Künstliche Intelligenz bietet enorme Chancen für Nachhaltigkeit – etwa durch intelligente Energiesteuerung oder optimierte Verkehrsflüsse. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf durch Rechenzentren. Digitale Nachhaltigkeit bedeutet hier, Chancen und Risiken sorgfältig abzuwägen. Wie KI nachhaltig eingesetzt werden kann und wo ihre Grenzen liegen, erfährst du im Artikel "Wie viel KI verträgt die digitale Nachhaltigkeit".

ESG-Kriterien: Maßstab für nachhaltige Digitalisierung

Die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) sind ein zentraler Bewertungsrahmen für nachhaltiges und ethisches Handeln von Unternehmen. Sie zeigen, wie verantwortungsvoll Unternehmen und Organisationen wirtschaften. 

Die Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung bilden auch den Bewertungsstandard für die digitale Nachhaltigkeit von Unternehmen.

1. Environmental (Umwelt): Der ökologische Fußabdruck

In der digitalen Welt liegt der Fokus hier auf der Reduktion des massiven Ressourcen- und Energieverbrauchs.

  • Green IT: Einsatz energieeffizienter Hardware und nachhaltiger Rechenzentren zur Senkung von CO₂-Emissionen.
  • Ressourceneffizienz: Optimierung von Software-Code (Green Coding), um Rechenleistung zu sparen.
  • Kreislaufwirtschaft: Verantwortungsvolles Management von Elektroschrott und die Verlängerung von Hardware-Lebenszyklen.

Einen digitalen Fußabdruck hinterlässt dabei jeder von uns. Ob beim Streaming, in Cloud-Speichern oder endlosen E-Mail-Postfächer. Digitale Nachhaltigkeit beginnt daher auch im Alltag. Schon kleine Änderungen im Nutzungsverhalten können Ressourcen sparen und Emissionen reduzieren. Was hinter dem digitalen Fußabdruck steckt und wie du mehr Nachhaltigkeit in deinen Alltag bringst, erfährst du in unserem Artikel "Digitaler Fußabdruck: einfach erklärt."

2. Social (Soziales): Inklusion und Ethik

Die digitale Nachhaltigkeit adressiert hier die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen.

  • Digitale Teilhabe: Barrierefreier Zugang zu Informationen und digitalen Diensten für alle Bevölkerungsschichten.
  • Datenschutz & Sicherheit: Schutz der Privatsphäre der Nutzer als soziale Verantwortung.
  • Ethische KI: Gewährleistung von Fairness und Vermeidung von Diskriminierung durch Algorithmen. Mehr dazu auch in unserem Artikel "KI und Ethik".

3. Governance (Unternehmensführung): Transparenz und Kontrolle

 Eine nachhaltige digitale Governance stellt sicher, dass Technologie ethisch korrekt und gesetzeskonform eingesetzt wird.

  • Daten-Governance: Klare Verantwortlichkeiten für die Qualität, Integrität und Sicherheit von Unternehmensdaten.
  • Compliance & Reporting: Erfüllung gesetzlicher Berichtspflichten durch digitale Tools zur Datensammlung und -analyse.
  • Risikomanagement: Identifikation und Minimierung digitaler Risiken, wie etwa Cyber-Angriffe oder technologische Abhängigkeiten.

Fazit: Die Digitalisierung ist sowohl ein Werkzeug zur Erfüllung von ESG-Zielen (z.B. durch präzise CO₂-Messung) als auch selbst Gegenstand der ESG-Kriterien (z.B. Energiehunger von KI).

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung – digital unterstützt

Während die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen den globalen Orientierungsrahmen für eine lebenswerte Zukunft beschreiben, dienen die ESG-Kriterien als das messbare Werkzeug für die Umsetzung in der Wirtschaft.

Jedem der 17 Ziele lässt sich einer oder mehreren ESG-Säulen zuordnen. 

ESG-Säule Relevante SDGs (Beispiele) Konkrete Kennzahl (Beispiel)
Environmental SDG 13 (Klimaschutz), SDG 7 (Energie), SDG 12 (Konsum) Energieeffizienz eines Rechenzentrums / PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) oder die E-Waste Recycling Quote (wie viel Hardware wird recycelt oder wieder aufbereitet?
Social SDG 5 (Gleichstellung), SDG 8 (Arbeit), SDG 10 (Ungleichheit) Grad der Barrierefreiheit digitaler Angebote, Anteil der KI-Projekte, die eine ethische Risikoprüfung (Bias-Check) durchlaufen haben.
Governance SDG 16 (Frieden & Justiz), SDG 17 (Partnerschaften) Anteil der Daten, die in rechtskonformen, souveränen Cloud-Umgebungen gespeichert sind
Techniker arbeitet an moderner Industrieanlage, eine Frau im Hintergrund
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Industrie 5.0: Menschzentrierte und nachhaltige Digitalisierung

Industrie 5.0 rückt den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt technologischer Entwicklung. Statt reiner Effizienz geht es um resiliente, nachhaltige und soziale Produktionsweisen. Digitale Nachhaltigkeit Thüringen zeigt sich hier als Verbindung aus moderner Technologie, Fachkräftesicherung und Ressourcenschutz.

Repaircafés in Thüringen: Nachhaltige Digitalisierung trifft Gemeinschaft

In Thüringen wird Nachhaltigkeit durch lokale Expertise zum Leben erweckt: Repaircafés retten kaputte Technik vor der Mülltonne und fördern ein bewusstes Miteinander. In Initiativen wie dem Reparier-Café Jena, dem Repair Café Weimar „Kabel & Faden“ oder dem ReparaturCafé Meiningen geben ehrenamtliche Profis ihr Wissen weiter, damit Toaster, Smartphones oder Nähmaschinen nicht im Elektroschrott landen.

Nachhaltigkeitszentrum Thüringen: Kompetenz für nachhaltige Digitalisierung

Das Nachhaltigkeitszentrum Thüringen unterstützt Kommunen, Unternehmen und Initiativen bei der Umsetzung nachhaltiger Entwicklung. Es vernetzt Akteure, bietet Beratung und fördert Projekte an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

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