Projekt

Von der eigenen Idee zum eigenen Roboter

Zu Besuch in der Werkstatt von DIE Digitalmacherei

Irgendwo in Erfurt fährt ein kleiner Roboter durch Schulgänge, in Klassenräumen und auf dem Pausenhof. Dabei scheint er genau zu wissen, wo er hin muss. Was für Außenstehende zunächst wie ein Spielzeug aussieht, ist eigentlich viel mehr: ein selbst entwickeltes System, das einem ganz konkreten Problem auf die Spur geht.

Genau darum geht es in der Digitalmacherei in Erfurt. Hier sollen Kinder nicht nur lernen, wie digitale Technik funktioniert. Sie sollen selbst ausprobieren, tüfteln, Fehler machen, neu anfangen und irgendwann ihre eigenen Ideen umsetzen.

Sara, die Gründerin von DIE Digitalmacherei, erzählt von Kindern, die mit Robotern experimentieren, eigene Spiele programmieren oder am 3D-Drucker Dinge herstellen. Und von einem Jungen, der für „Jugend forscht“ einen Roboter gebaut hat, der ihm in der Schule den Rucksack transportieren soll, und zwar immer genau dorthin, wo der nächste Unterricht stattfindet. Die Idee: Farb-Codes stehen für verschiedene Unterrichtsfächer. Der Roboter erkennt die Farbe und weiß dadurch, wohin er fahren muss. Das Projekt überzeugte so sehr, dass der Teilnehmer ein Preisgeld erhielt. Davon konnte ein 3D-Drucker für die weitere Arbeit angeschafft werden.

Eine Idee, die auf dem Spielplatz begann

Die Geburtsstunde der Digitalmacherei begann für Sara auf einem Spielplatz. Dort beobachtete sie, wie viele Eltern mit ihren Smartphones beschäftigt waren, während ihre Kinder neben ihnen spielten oder sogar Kontakt aufnehmen wollten und keine Reaktion erhielten. Für Sara entstand daraus eine Frage: Wie kann Mediennutzung anders aussehen? Wie können Kinder und Erwachsene digitale Medien nicht nur konsumieren, sondern sie gemeinsam entdecken und verstehen?

Gleichzeitig war Sara von der HABA Digitalwerkstatt inspiriert und hatte gesehen, welche Möglichkeiten solche Orte bieten. Was ihr auffiel: In der Mitte Deutschlands fehlte ein vergleichbares Angebot. Auch aus ihrer Erfahrung mit Spaces für Studierende und wissenschaftliche Projekte kannte sie das Prinzip, dass Menschen an einem Ort zusammenkommen, um Dinge auszuprobieren und eigene Ideen zu entwickeln.

2022 entstand daraus DIE Digitalmacherei in Erfurt. Seit 2024 ist die Organisation gemeinnützig - eine wichtige Voraussetzung, um auch Fördermittel für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nutzen zu können.

Heute bietet DIE Digitalmacherei jeden Dienstag und Donnerstag den Levelkurs an, für Kinder ab 8 Jahren, die sich mit Programmieren, Sensorik & KI beschäftigen wollen. Nach einer Einführung in verschiedene Werkzeuge können sie eigene Projekte entwickeln. Mit Calliope mini, Scratch, Robotern oder anderen digitalen Werkzeugen entstehen dabei ganz unterschiedliche Ideen. Manche Projekte sind nach einer Stunde fertig, andere begleiten die Kinder über mehrere Wochen.

Zusätzlich runden Ferienangebote, Workshops für Schulen und Angebote für Erwachsene (z.B. zum Thema KI & Klimaschutz) das Programm ab.

Erst alles zeigen, dann entfalten lassen

An diesem Ort gibt es nicht den einen richtigen Weg durch die digitale Welt. Ein Kind möchte vielleicht programmieren. Ein anderes interessiert sich für Roboter. Das nächste möchte etwas konstruieren und es anschließend am 3D-Drucker in die Realität bringen. Für Sara ist genau diese Freiheit entscheidend. Sie erklärt: 

Das Ziel ist, dass die Kinder sich frei bewegen können und alles nehmen können, was sie möchten.

Natürlich gibt es zunächst eine Anleitung. Die Kinder lernen die Grundlagen kennen, bekommen Werkzeuge und Technologien gezeigt und können anschließend selbst entscheiden, was sie daraus machen. Das kann ein gemeinsames Projekt sein. Oder eine eigene Idee, an der über mehrere Wochen weitergearbeitet wird.

Auch die regelmäßigen Kurse der Digitalmacherei funktionieren nach diesem Prinzip: Die Kinder lernen kontinuierlich und spielerisch, programmieren und beschäftigen sich mit technischen Systemen und können dabei auf unterschiedlichen Erfahrungsstufen einsteigen bzw. sich auf unterschiedliche Level weiterentwickeln.

Wenn aus einem 3D-Drucker ein Hilfsmittel wird

Wie kreativ solche Freiräume werden können, zeigt ein Projekt, das Sara besonders eindrücklich beschreibt. Mit Unterstützung eines EU-geförderten Projekts entwickelten Jugendliche eigene Firmenideen. Ihre Aufgabe: Produkte zu entwickeln, die Menschen mit Behinderung oder Einschränkungen im Alltag unterstützen können.

Aus der Idee wurde schließlich etwas Greifbares. Die Jugendlichen entwickelten beispielsweise ein Öffnungstool, mit dem sich alle möglichen Flaschen und andere Dinge mit Schraubverschluss öffnen lassen. Anschließend wurde das selbst entworfene Hilfsmittel mit dem 3D-Drucker hergestellt und ein Businessplan dazu entworfen.

Plötzlich ist der 3D-Drucker nicht mehr nur ein Gerät, mit dem man Figuren oder Spielzeug herstellen kann. Er wird zum Werkzeug, mit dem Kinder Lösungen für reale Probleme entwickeln. Und genau darin liegt für Sara ein wichtiger Teil digitaler Bildung: Die Technik steht nicht im Mittelpunkt. Die eigene Idee steht im Mittelpunkt, die Technik hilft dabei, sie umzusetzen. Das Spektrum der Projekte ist entsprechend groß.

Zusätzlich zum regelmäßigen Angebot in Erfurt, treffen sich montags und freitags in der Stadt Ilmenau Kinder und Jugendliche zum spielerisch programmieren lernen in Vorbereitung auf Roboter Wettbewerbe wie der First LEGO League oder der World Robot Olympiad (WRO).

Auch in Schulen ist DIE Digitalmacherei unterwegs. Ein Werkzeug, das dabei immer wieder zum Einsatz kommt, ist der Calliope mini, ein kleiner, sternförmiger Platinen-Computer, der speziell für den Einsatz für Kinder ab der dritten Klasse entwickelt wurde, um spielerisch das Programmieren zu lernen.

Smart City, Smart Home und die Welt vor der Haustür

Auch die Kursideen für die Ferienangebote entstehen nicht nach einem starren Lehrplan.

Im Sommer 2026 standen beispielsweise Smart-City-Themen auf dem Programm. Die Kinder beschäftigten sich damit, wie digitale Technologien eine Stadt verändern können und wo intelligente Systeme im Alltag auftauchen.

In den Herbstferien geht es in Richtung Smart Home. Die Kinder können entdecken, was hinter den Technologien steckt und selbst ausprobieren, wie Digitalisierung den eigenen Lebensraum verändert.

Digital kompetent heißt auch: Risiken verstehen

Digitale Teilhabe bedeutet für Sara allerdings nicht nur, möglichst früh programmieren zu lernen und sich auszuprobieren. Wer sich sicher in der digitalen Welt bewegen möchte, muss auch wissen, welche Risiken dort lauern. Deshalb bietet die Digitalmacherei beispielsweise Handyführerscheine an. Dabei geht es nicht nur darum, Kindern zu zeigen, wie ein Smartphone funktioniert oder welche Bauteile darin stecken. Gemeinsam wird auch über Chancen, Risiken und Gefahren gesprochen: Was kann ein Smartphone? Was passiert mit meinen Daten? Worauf sollte ich achten? Welche Einstellungen kann ich am Handy vornehmen? Am Ende erhalten die Kinder ein Zertifikat.

Bei allen Angeboten geht es um einen bewussten Umgang mit digitalen Medien. DIE Digitalmacherei versteht ihre Arbeit ausdrücklich als Unterstützung von Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften bei der digitalen Teilhabe.

Digitales Lernen darf Spaß machen

Dabei muss Lernen nicht nach Schule aussehen.

DIE Digitalmacherei bietet beispielsweise auch Kindergeburtstage an. Statt klassischer Geburtstagsspiele können die Kinder dort Roboter programmieren, mit Scratch eigene Animationen oder Videospiele entwickeln, mit Calliope mini experimentieren oder elektronische Musik mit Makey Makey machen. Für ältere Kinder gibt es sogar VR-Reisen und eigene Weltraummissionen. Das passt zu Saras Grundidee: Technik soll neugierig machen und Selbstwirksamkeit erzeugen.

Ein Smartphone kann man benutzen. Ein Computerspiel kann man spielen. Einen Roboter kann man beobachten. Hier sollen Kinder dagegen fragen: Was könnte ich selbst damit machen? Dann wird aus dem Nutzer und Konsument ein Gestalter. Dann fängt echte digitale Kompetenz an.

Weitere Informationen zu Angeboten, Kursen und Ferienprogrammen gibt es auf der Website der DIE Digitalmacherei.

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