Projekt

RoboThek Gotha – Schülerforschungszentren in Thüringen

In Thüringen entstehen seit einigen Jahren immer mehr Orte, an denen Kinder und Jugendliche Technik selbst ausprobieren, bauen und begreifen können. 17 Schülerforschungszentren gibt es bereits. Sie verbinden MINT-Bildung mit Kreativität, eigenem Forschen und niedrigschwelligen Zugängen zu moderner Technik. In Gotha zeigt die RoboThek, wie gut dieses Konzept funktionieren kann.

Das Ziel ist dabei nicht bloß, Wissen zu vermitteln, sondern Neugier zu wecken und Selbstvertrauen zu stärken. Wer hier mitmacht, soll nicht nur konsumieren, sondern verstehen, hinterfragen und selbst gestalten.

RoboThek im Herzen Gothas

Seit September 2021 gibt es die RoboThek in Gotha, ein gemeinsames Projekt der Stadtbibliothek und der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT). Untergebracht ist sie, wie der Name vermuten lässt, direkt in der Bibliothek, was dem Ort eine besondere Offenheit gibt: Zwischen Büchern, Medien und Lernangeboten ist ein Raum entstanden, in dem geforscht, programmiert und gebaut wird. Geleitet wird das Schülerforschungszentrum von Dr. Anne Kopp, die seit zwei Jahren die Verantwortung trägt und zugleich Regionalkoordinatorin für die MINT-Region Westthüringen ist. Insgesamt gibt es 7 flächendeckende MINT-Regionen in Thüringen, die weitgehend an den Schulamtsbezirken ausgerichtet sind.
Mit Dr. Anne Kopp haben wir uns in der RoboThek getroffen, ebenso mit Julia Webers, die in der Bibliothek arbeitet. Beide stehen für ein Konzept, das weit über einzelne Angebote hinausgeht: die enge Verbindung von Schule, Freizeit, Bibliothek und außerschulischer MINT-Förderung.

Forscherwerkstatt

Jeden Dienstag öffnet die Forscherwerkstatt von 15 bis 17 Uhr in der RoboThek ihre Türen. Das Angebot richtet sich an Kinder ab acht Jahren, am ersten Dienstag im Monat dürfen auch jüngere Schülerinnen und Schüler mitmachen. Dann wird gebastelt, programmiert und ausprobiert, mit 3D-Druckern, Lernrobotern, Lego-Robotern, Bausätzen, einer VR-Brille oder dem NAO-Roboter.

Zwischen zehn und fünfzehn Teilnehmende kommen regelmäßig zu den Terminen. Das ist keine riesige Gruppenveranstaltung, sondern ein überschaubarer Rahmen, in dem die Kinder angeleitet selbst aktiv werden können. Genau das macht den Reiz aus: Technik wird nicht nur erklärt, sondern vor allem erlebt.


Dr. Anne Kopp bringt das Prinzip der RoboThek auf den Punkt:

Dr. Anne Kopp

Wir wollen, dass die Schüler ein Gefühl der Selbstwirksamkeit erleben, sie sollen aktiv etwas schaffen und dabei weg kommen vom reinen konsumieren hin zum Verstehen, dahinter gucken und selbst gestalten.

Dieser Satz beschreibt ziemlich präzise, warum Schülerforschungszentren so wichtig sind. Viele Kinder begegnen Technik heute zuerst als fertigem Produkt: Tablet, Smartphone, Spielkonsole, App. In der RoboThek geht es um die andere Seite, darum, Systeme zu durchdringen, Fehler zu finden, Lösungen zu bauen und am Ende etwas Eigenes in der Hand zu halten.

Die RoboThek ist nicht nur für einzelne Kinder da, sondern auch für Schulen. Lehrkräfte können Experimentierboxen für den MINT-Bereich ausleihen und mit in den Unterricht nehmen. Außerdem kommen regelmäßig Schulklassen zur Exkursion in die RoboThek, um den Ort kennenzulernen und Einblicke in technische Themen zu bekommen.

Das macht das Schülerforschungszentrum zu einem echten Baustein regionaler Bildungsarbeit. Es ergänzt den Unterricht, ersetzt ihn aber nicht. Vielmehr erweitert es den Lernraum und schafft Möglichkeiten, die im normalen Schulalltag oft zu kurz kommen.

Wettbewerbe und Teamarbeit

Die Medienpädagogen der RoboThek motivieren die Schüler auch regelmäßig an Wettbewerben teilzunehmen, etwa an der World Robot Olympiad oder der First Lego League. Solche Formate sind wichtig, weil sie nicht nur technische Fähigkeiten fördern, sondern auch Teamarbeit, Ausdauer und Problemlösungsvermögen und am Ende auch den Ehrgeiz anfachen.
Gerade für Kinder und Jugendliche ist das motivierend: Ein selbst gebauter Roboter ist nicht nur ein Projekt, sondern auch ein sichtbares Ergebnis von Ideen, Versuch und Irrtum, Frust und Erfolg, das auch im Vergleich zu anderen bewertet werden kann.

Schülerforschungszentren-Netzwerk in Thüringen

Die RoboThek ist Teil einer größeren wachsenden Landschaft aus Schülerforschungszentren, die zur STIFT gehören und vom Thüringer Bildungsministerium gefördert und institutionell abgesichert werden. Dass die RoboThek kostenfrei ist, macht sie zusätzlich niedrigschwellig und offen für Familien unabhängig vom Geldbeutel.

Alle Schülerforschungszentren im Überblick:

  • Erfurt am Albert-Schweitzer-Gymnasium
  • in der Fachhochschule Erfurt 
  • Gera in der Tinzer Str. 39
  • Gotha in der Bibliothek/Robothek
  • Greiz im Gartenweg 3
  • an der Hochschule Nordhausen
  • in der TU Ilmenau
  • Jena in der Löbstedter Straße 67
  • im Hennebergisches Museum Kloster Veßra
  • im Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster
  • in der Prof-H.-Klare-Str. 6 in Rudolstadt
  • an der Hochschule Schmalkalden
  • SensorSpace in Hermsdorf
  • in der Auenstraße 17 in Suhl
  • in der Bauhaus-Universität Weimar

Offener Raum für alle

Obwohl der Schwerpunkt auf Schülerinnen und Schülern liegt, ist die RoboThek ein offener Raum für alle. Auch Erwachsene sind willkommen. Das passt gut zu einem Ort in der Bibliothek: Hier geht es nicht um Abgrenzung, sondern um Zugang. Lernen darf generationenübergreifend sein, und genau das macht die Atmosphäre so besonders.

Ein schönes Beispiel dafür, wie breit die Bibliothek als Lernort aufgestellt ist, ist auch der beliebte Smartphone-Treff für Senioren, der dort jeden Donnerstag stattfindet. Die Anmeldung ist wichtig, was zeigt, wie gefragt das Angebot ist. So entsteht ein Haus des Lernens, in dem Kinder, Jugendliche und ältere Menschen auf ganz unterschiedliche Weise zusammenkommen.

Was die RoboThek ausmacht

Die RoboThek in Gotha steht beispielhaft für einen modernen Ansatz in der MINT-Bildung. Sie ist offen, kostenlos, praxisnah und stark an den Bedürfnissen von Kindern und Schulen orientiert. Vor allem aber setzt sie auf Eigenaktivität: Wer hierherkommt, soll nicht nur zuschauen, sondern selbst etwas schaffen.

Genau darin liegt der Kern von Schülerforschungszentren in Thüringen. Sie machen sichtbar, dass Forschen keine Frage des Alters ist, sondern der Gelegenheit. Und sie zeigen, wie aus einem Raum in der Bibliothek ein Ort werden kann, an dem Zukunft konkret beginnt.

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