Projekt

Hackerspaces - Thüringen für Tüftler

Zwischen Universitätsstädten, Mittelzentren und ländlichen Räumen hat sich in Thüringen eine lebendige Szene aus Hackerspaces, Chaostreffs und offenen Werkstätten entwickelt. Orte wie das WAK-Lab in Eisenach, der Bytespeicher in Erfurt oder der Krautspace in Jena stehen für einen gemeinsamen Gedanken: Technik nicht nur zu konsumieren, sondern selbst zu verstehen, zu verändern und zu teilen. Der Chaos Computer Club beschreibt Chaostreffs als regionale Treffpunkte für Menschen, die sich mit Informationsfreiheit, Technik und gemeinsamer Praxis beschäftigen.
Diese Räume sind mehr als Werkstätten mit Maschinen. Sie sind Treffpunkte, Lernorte und soziale Orte, an denen Wissen weitergegeben wird und Projekte entstehen, die anderswo kaum Platz hätten. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie verbinden Tüfteln, Community und einen oft sehr niederschwelligen Zugang zu digitaler und analoger Technik.

Was ist ein Hackerspace

Der Begriff „Hackerspace“ meint einen offenen Raum, in dem sich Menschen mit Technik-, Computer- und Bastelinteresse treffen, austauschen und gemeinsam arbeiten. Dabei geht es nicht um illegalen Zugriff oder den klischeehaften „Hacker“ aus Filmen, sondern um experimentelles, kreatives und oft sehr praktisches Arbeiten mit Technik. Viele solcher Räume werden als Verein organisiert und funktionieren ehrenamtlich, mit Mitgliedsbeiträgen, Spenden und institutioneller Förderung.

Der Begriff wird allerdings auch in der Szene immer wieder diskutiert. Das Wort „Hacker“ trägt außerhalb der Community oft eine negative Konnotation, weil es mit Kriminalität oder Manipulation verbunden wird. In Hackerspaces wird dieser Begriff jedoch bewusst positiv betrachtet: als jemand, der Systeme versteht, sie kreativ und ethisch korrekt untersucht, Lücken entdeckt und verbessert. So steht auch das WAK-Lab in Eisenach exemplarisch für eine Szene, die sich den Begriff nicht nehmen lassen will, sondern ihn mit Offenheit, Wissen und Gemeinsinn füllt.

Das WAK-Lab in Eisenach

Im WAK-Lab treffen sich Menschen, die Technik nicht als Konsumgut sehen, sondern als etwas, das man anfassen, reparieren und weiterdenken kann. Das Lab ist ein gemeinnütziger Verein und ein Raum für Open-Source-Ideen, Elektronik, 3D-Druck, Löten, Linux, Freifunk und Wissensaustausch. Jeden Mittwoch ab 18 Uhr ist das WAK-Lab offen, außerdem gibt es regelmäßige Formate wie das Amateurfunkertreffen jeden letzten Freitag im Monat.

Denny und Axel betreiben den Ort zusammen mit einem Team aus weiteren Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit. Was einst in einem Kellerraum einer Schule begann, hat sich inzwischen in Räume im Stadtzentrum verlagert, vor Kurzem kam ein vierter Raum dazu. Ziel ist es, künftig mit Fräs- und Lasermaschinen sowie professioneller Absaugung noch besser arbeiten zu können. Diese räumliche Entwicklung zeigt, dass aus einem kleinen Engagement ein ernstzunehmender Technik- und Lernort geworden ist.

Projekte zwischen Lötkolben und Lasercutter

Im WAK-Lab ist der Werkzeugkasten breit: Lötbausätze, Router-Programmierung, Mikroelektronik, Arduino-Projekte und kreative Anwendungen gehören zum Alltag. Bei der Kinderkulturnacht wurden Lötbausätze angeboten, und die Bandbreite der Ideen der Besucher reicht von einer Ostereier-Malmaschine über eine aus einem 3D-Drucker gebaute Offset-Druck-Lösung bis hin zu selbst programmierbaren LED-Wänden oder einem Dreirad mit elektrischen Rädern.

Denny beschreibt das Lab so: 

Jeder kann mit einer Idee kommen und wir schauen gemeinsam, was daraus wird. Gleichzeitig steht der Nachhaltigkeitsaspekt im Mittelpunkt: Dinge nicht vorschnell wegwerfen, sondern prüfen, ob sie reparierbar sind. Und auch einfach Spaß am Experimentieren haben.

Das passt genau zu dem, was viele Hackerspaces ausmacht: Do-it-yourself, aber mit einem sozialen und ökologischen Mehrwert. Es geht ums Ausprobieren, ums Lernen durch Tun und um ein Umfeld, in dem Kreativität keine feste Grenze hat. Diese Offenheit ist auch der Grund, warum solche Räume für Jugendliche, Einsteigerinnen und Einsteiger so wichtig sind.

Besonders spannend ist die Mischung der Leute, die solche Räume tragen. Denny ist IT-Forensiker, Axel bringt als Koch eine ganz andere Perspektive mit. Gerade diese Kombinationen sind typisch für Hackerspaces, ihre Mitglieder und Nutzer: Nicht alle kommen aus der IT, unterschiedliche Erfahrungen treffen aufeinander und genau das macht die Szene oft produktiv und lässt ungewöhnliche Lösungen entstehen.

Thüringer Roboter auf der World Robot Olympiad

Ein großer Erfolg des WAK-Labs war beispielsweise der Roboter M.A.D.A.M.. Er wurde von drei Schülern der 11. Klasse des Ernst-Abbe-Gymnasiums Kittelsthal gebaut, gewann 2026 den ersten Platz im Thüringer Regionalwettbewerb und erreichte beim Deutschland-Finale der World Robot Olympiad (WRO) im selben Jahr den vierten Platz. Der Roboter wurde als Höhlenforschungsroboter mit sechs Rädern konzipiert und zeigt, wie leistungsfähig solche offenen Lernorte sein können.

Nächste Etappe: Europafinale 13.-16. Oktober 2026 in Zagreb (Kroatien) mit 260 Teams

Gerade solche Projekte machen sichtbar, dass Hackerspaces weit über Freizeitbastelei hinausgehen. Sie schaffen Infrastruktur für MINT-Bildung, für Wettbewerbe und für praktische Technikkompetenz. Das gilt auch für den geplanten Ausbau der Räume im WAK-Lab: mehr Werkstatt, mehr Möglichkeiten, mehr Lernraum.

Anschluss an den CCC

Das WAK-Lab ist ein Chaos Treff und damit Teil einer lose organisierten, aber kulturell sehr klaren Bewegung rund um den Chaos Computer Club. Chaostreffs sind offene regionale Treffen, während Erfa-Kreise stärker in die Vereinsstruktur eingebunden sind. Der CCC versteht sich als Gemeinschaft für Informationsfreiheit und Technikfolgenabschätzung, also nicht nur als Bastelclub, sondern auch als politisch und gesellschaftlich wachsende Netzwerkkultur.

Dazu passen die großen Formate der Szene: der jährliche Chaos Communication Congress und das Chaos Communication Camp, das alle vier Jahre stattfindet. Sie sind die überregionalen Bezugspunkte einer Bewegung, die lokal in Räumen wie dem WAK-Lab sichtbar wird. Der kleine Treff in Eisenach und das große Kongressgeschehen gehören damit zu demselben kulturellen Kosmos.

Für Interessierte ist das keine abgeschlossene Szene, sondern ein Raum zum Dazukommen in dem sich Technik, Bildung und Gemeinschaft verbinden.

Hacker- und Makerspaces in Thüringen:

  • ByteSpeicher in Erfurt: Ein offener Gemeinschaftsraum für technikinteressierte Menschen, die gemeinsam Projekte entwickeln und ihr Wissen zu IT, Elektronik und Programmierung austauschen. In der eigenen Elektronikwerkstatt werden Geräte repariert und mit 3D-Druckern neue Gegenstände hergestellt.
  • TIF-IT-Labor in Gotha: Ein Ort für kreative Experimente und Projekte im Bereich Informationstechnologie, insbesondere rund um Hardware- und Softwareentwicklung.
  • Der Hackspace Jena e.V. bietet technikbegeisterten Menschen Räume und Werkzeuge, um kreative Ideen rund um Technik, Hacking, 3D-Druck und verwandte Themen gemeinschaftlich zu verwirklichen.
  • Maschinenraum in Weimar: Ein Makerspace mit Werkstattcharakter, der Raum für kreative Projekte, technische Innovationen und interdisziplinären Austausch bietet.
  • Institut Spawnpoint Erfurt: Ein Begegnungsort für die Entwicklung einer nachhaltigen Spiel- und Medienbildung, an dem die Kultur der Digitalität aktiv gestaltet wird.
  • WAK-Lab in Eisenach: Ein Makerspace und offener Kreativraum, der Technik- und Bastelbegeisterten ermöglicht, eigene Ideen zu verwirklichen, sich weiterzubilden und gemeinsam innovative Projekte umzusetzen.
  • Ilmspace in Ilmenau: Ein offener Treffpunkt für Technikinteressierte, insbesondere Studierende, zur Umsetzung gemeinschaftlicher Projekte und zum Austausch über Informatik, Elektronik und digitales Basteln.

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