Ein Kind arbeitet an einem kleinen Elektronikprojekt auf einem Holztisch. Vor ihm stehen eine Steckplatine mit Kabeln, ein Mikrocontroller-Board und ein kleines vierrädriges Roboterfahrzeug. Auf dem Laptop im Hintergrund ist eine grafische Programmieroberfläche zu sehen.
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Was kann man mit einem Raspberry Pi machen?

Raspberry Pi: Definition & Möglichkeiten einfach erklärt

Ein winziger Rechner, grün, kompakt und voller Potenzial – das ist der Raspberry Pi. Er passt in eine Handfläche, kann aber fast alles, was ein großer Computer kann: Daten verarbeiten, Programme steuern oder Sensoren auslesen. Entwickelt wurde er, um Technik verständlich und bezahlbar zu machen – ein Werkzeug, das Lernen und Forschen für alle öffnet. In Thüringen zeigt sich, wie gut das gelingt: Schulen, Hochschulen und offene Werkstätten nutzen den Mini-Computer als Lernplattform und als Basis für neue Ideen. Hier entsteht eine Kultur des Experimentierens, die digitale Bildung und Innovation miteinander verbindet.

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Nahaufnahme eines Raspberry Pi Einplatinencomputers mit grünem Board, verschiedenen Chips, GPIO-Pins, USB-Anschlüssen, Ethernet-Port sowie HDMI- und Micro-USB-Buchse.
© Raspberry Pi

Was ist ein Raspberry Pi?

Ein Raspberry Pi ist ein winziger Einplatinencomputer – kaum größer als eine Kreditkarte – und doch ein Symbol für die große Idee, Technik für alle zugänglich zu machen.
Die Idee entstand 2008 an der Universität Cambridge, wo der Informatiker Eben Upton gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen die Raspberry Pi Foundation gründete. Ihr Ziel: jungen Menschen das Programmieren beibringen – mit einem Gerät, das günstig, robust und vielseitig ist.

Der Name ‚Raspberry Pi‘ erzählt bereits von dieser Mischung aus Humor, Tradition und Lernfreude:

„Raspberry“ spielt augenzwinkernd auf die Tradition britischer Computerfirmen an, die ihren Geräten Obstnamen gaben – wie Apple oder Acorn. „Pi“ steht für Python Interpreter – ein Hinweis auf die Programmiersprache, mit der das Lernen am Raspberry Pi besonders leicht fällt.

2012 kam der erste Raspberry Pi auf den Markt, vorgestellt auf der Embedded World in Nürnberg. Die Nachfrage war enorm. Binnen Stunden gingen hunderttausende Bestellungen ein. Heute entstehen die meisten Geräte im Sony-Werk Pencoed in Wales – dort, wo Hightech und Bildungsvision Hand in Hand gehen.

Seit 2012 wurden mehrere Raspberry Pi Modelle veröffentlicht, die Leistung und Funktion kontinuierlich erweitern.

Raspberry-Pi-Modelle im Überblick

Modell Erscheinungsjahr Merkmale
Pi 1 2012 Einstiegsversion für einfache Lernprojekte.
Pi 2 und 3 2015-2018 mehr Leistung, WLAN und Bluetooth; ideal für Multimedia und Netzwerkanwendungen
Raspberry Pi Zero 2015 besonders klein und stromsparend, ideal für kompakte Geräte, Sensorik und IoT-Projekte
Pi 4 2019 bis zu 8 GB RAM, USB 3.0 und zwei Micro-HDMI-Ports; für anspruchsvollere Projekte
Raspberry Pi 400 2020 in eine Tastatur integrierter Pi 4, ein vollständiger Lern- und Arbeitscomputer für den direkten Einstieg
Pi 5 2023 deutlich schneller, neue Kamera- und PCIe-Schnittstellen; für Forschung, Robotik und Smart-Home-Systeme

Alle Modelle folgen demselben Prinzip, das auf drei einfachen Ideen beruht:

  • Offenheit: alle Komponenten und Programme sind frei zugänglich

  • Erschwinglichkeit: schon für wenig Geld entsteht ein kompletter Rechner

  • Vielfalt: Programmieren, Messen oder Steuern – fast alles ist damit möglich

Damit steht der Raspberry Pi für eine neue Form der digitalen Bildung und Teilhabe – praxisnah, barrierefrei und modular.

Zwei junge Kinder sitzen nebeneinander an einem Tisch und arbeiten konzentriert an ihren Laptops. Das Kind im gelben Pullover hält ein kleines elektronisches Bauteil in der Hand und zeigt mit dem Finger auf den Bildschirm. Im Hintergrund sind weitere technische Geräte und Kabel zu sehen.
© envato
Diese Offenheit macht den Raspberry Pi so vielseitig: Er kann Daten sammeln, Geräte steuern oder kleine Programme ausführen – die Grundlage für unzählige Anwendungen, von Robotik bis Smart Home.

So funktioniert der Mini-Computer

Ein Raspberry Pi sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus: eine kleine grüne Platine, übersät mit Anschlüssen und Bauteilen. In dieser kompakten Bauweise steckt das ganze Konzept: maximale Funktion bei minimalem Platzbedarf.

Das Herzstück bildet ein System-on-a-Chip (SoC), ein kompaktes Bauteil, das Prozessor, Grafik und Arbeitsspeicher auf einer einzigen Platine vereint. Hinzu kommen:

  • USB-Anschlüsse für Tastatur, Maus oder externe Geräte,

  • HDMI-Port für den Monitor,

  • Ethernet und WLAN für den Internetzugang,

  • GPIO-Pins (General Purpose Input Output) – kleine Steckkontakte, über die Sensoren, Motoren oder LEDs direkt angesteuert werden können.

Als Speicher dient eine microSD-Karte, auf der das Betriebssystem installiert wird – meist das speziell angepasste Raspberry Pi OS auf Basis von Linux. Sobald Strom über ein USB-C-Kabel fließt, startet der Mini-Computer wie ein PC: Er zeigt den Desktop, öffnet Programme und lässt sich mit Maus und Tastatur bedienen.

Wie vielseitig ein Raspberry Pi sein kann, zeigt sich im Alltag. Mit ein paar Komponenten und etwas Erfindergeist verwandelt sich die kleine Platine in Steuerzentrale, Medienserver, Lernspiel oder Umweltlabor. Die folgenden Beispiele geben einen Einblick, wie sich aus wenigen Bauteilen große Ideen entwickeln – und wie kreativ man den Pi einsetzen kann.

5 smarte, praxisnahe Anwendungsbeispiele

Smart-Home-Steuerung

Der Raspberry Pi kann zum Herzstück eines intelligenten Zuhauses werden. Er verbindet Sensoren, Aktoren und kleine Programme zu einem System, das auf die Umgebung reagiert.

Ein typisches Setup besteht aus:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 als zentrale Steuereinheit,

  • Temperatur- und Bewegungssensoren (z. B. über die GPIO-Pins angeschlossen – kleine Steckkontakte, über die der Raspberry Pi elektrische Signale sendet oder empfängt),

  • einem Relais (kleine elektronische Schaltkomponenten) oder Funkmodulen, die Lampen oder Heizungsventile schalten,

  • und einer MicroSD-Karte mit dem Betriebssystem und der Steuerungssoftware.

Als Software nutzen viele Home Assistant, openHAB oder Node-RED. Nach der Installation über den Browser lässt sich das System intuitiv konfigurieren: Räume anlegen, Geräte koppeln, Regeln definieren – etwa „Wenn Bewegung erkannt, dann Licht an“ oder „Heizung ab 22 Uhr automatisch auf 18 Grad“.

Das Ergebnis ist ein vollwertiges Smart-Home-System, das lokal läuft und keine Cloud-Verbindung benötigt – ein Beispiel für digitale Eigenständigkeit und Datensouveränität.

Medienserver & Streaming
Eine Person arbeitet an einem Laptop, auf dessen Bildschirm farbiger JavaScript-Code angezeigt wird. Eine zweite Hand zeigt mit einem grünen Stift auf den Bildschirm, als würde etwas im Code erklärt oder besprochen werden. Im Hintergrund sind unscharf weitere Arbeitsmaterialien und ein zweiter Laptop zu erkennen.
© envato

Mit einem Raspberry Pi lässt sich in kurzer Zeit ein persönlicher Medienserver aufbauen – eine kleine, datensichere Alternative zu kommerziellen Cloud-Diensten. Musik, Filme oder Fotos liegen dabei auf dem eigenen Gerät und können von allen Geräten im Heimnetzwerk gestreamt werden.

Ein typisches Setup besteht aus:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 mit Netzteil und Gehäuse,

  • externer Festplatte oder SSD, auf der die Mediendateien gespeichert werden,

  • MicroSD-Karte mit Betriebssystem,

  • LAN- oder WLAN-Verbindung zum Heimnetzwerk.

Nach der Installation des Betriebssystems – meist Raspberry Pi OS – wird über den Browser eine Medienserver-Software wie Plex, Jellyfin oder Kodi installiert. Die Festplatte wird eingebunden, und die Medienbibliothek lässt sich über die Benutzeroberfläche strukturieren. Coverbilder, Playlists und Kategorien sorgen für Übersicht. Im Heimnetzwerk können Fernseher, Tablets, Smartphones oder Laptops über WLAN oder Ethernet direkt auf die Inhalte zugreifen.

Das Ergebnis: Ein energiesparender, leiser Server, der Lernmaterialien, Videos oder Musik zentral bereitstellt. In Schulen oder Vereinen kann dieselbe Technik genutzt werden, um Unterrichts- und Projektinhalte gemeinsam zu teilen.

Retro-Gaming & Lernspiele

Mit einem Raspberry Pi lassen sich Spieleklassiker aus vergangenen Jahrzehnten wieder zum Leben erwecken – vom Game Boy bis zur Super Nintendo-Konsole. Der Mini-Computer wird damit zur kompakten Spielstation, die Unterhaltung und technisches Verständnis miteinander verbindet.

Dafür braucht es nur ein paar Dinge:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 mit Netzteil

  • microSD-Karte mit einem speziellen Spielsystem wie RetroPie oder Recalbox

  • HDMI-Kabel für den Anschluss an Fernseher oder Monitor

  • USB- oder Bluetooth-Controller zur Steuerung

  • optional externer Speicher für Spieldateien

Nach dem Aufspielen der Software auf die microSD-Karte wird der Raspberry Pi gestartet. Es erscheint dann eine übersichtliche Benutzeroberfläche mit Coverbildern, Spielbibliothek und Speicherständen. Die Spielinhalte – sogenannte ROMs – stammen aus legal erworbenen Originalspielen oder aus frei verfügbaren Open-Source-Projekten, also Programmen, deren Quellcode offenliegt und von allen genutzt oder verändert werden darf. Wer beispielsweise ein altes Spielmodul oder eine CD besitzt, kann die Daten digital sichern und auf dem Raspberry Pi nutzen.

Diese Art der Anwendung wird in vielen Bildungsprojekten eingesetzt, um spielerisch zu zeigen, wie Computer und Programme zusammenarbeiten. Kinder und Jugendliche lernen, wie Steuerbefehle funktionieren, wie Figuren auf Eingaben reagieren und wie sich eigene Spiele entwickeln lassen.

Robotik & Technikprojekte
Eine Person in orangefarbener Arbeitskleidung sitzt an einem Tisch und arbeitet an einem kleinen mobilen Roboter mit Display und sichtbaren elektronischen Komponenten. Die Person hält ein Kabel in der Hand, während der Roboter vor ihr steht. Im Hintergrund ist ein weiterer ähnlicher Roboter zu erkennen.
© envato

Der Raspberry Pi kann nicht nur Daten verarbeiten, sondern auch echte Dinge bewegen. Schon mit wenigen Bauteilen kann daraus ein kleiner Roboter entstehen, der fährt, misst oder auf seine Umgebung reagiert.

Für den Aufbau benötigt man:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 als zentrale Steuereinheit

  • Motorsteuerung oder Servotreiber zur Bewegung

  • Ultraschallsensoren zur Abstandsmessung

  • LEDs oder Kameramodule für Signale oder Bildaufnahmen

  • Akkupack als mobile Stromversorgung

Nach dem Aufbau werden die Komponenten über die GPIO-Pins verbunden – das sind kleine Steckkontakte auf der Platine, über die elektrische Signale gesendet und empfangen werden. Ein Ultraschallsensor erkennt Hindernisse und übermittelt die Messwerte an den Pi. Das Programm berechnet daraufhin die Reaktion und steuert die Motoren entsprechend.

So entsteht ein fahrender Roboter, der eigenständig ausweicht, stoppt oder eine Linie verfolgt. Über Laptop oder Tablet lässt sich das System zusätzlich fernsteuern und beobachten, wie sich das Verhalten verändert.

Programmiert wird meist in Python, einer leicht verständlichen Programmiersprache, oder mit Scratch, einer grafischen Oberfläche, bei der Befehle einfach mit der Maus gezogen und aneinandergereiht werden – ein Verfahren, das als „Drag-and-Drop“ bekannt ist. Schritt für Schritt entsteht so ein funktionierendes Programm.

In vielen Schulen und Hochschulen wird der Raspberry Pi genutzt, um Naturwissenschaft und Technik praktisch zu vermitteln. Lernende erfahren, wie Sensoren funktionieren, wie Motoren angesteuert werden und wie schon kleine Änderungen große Auswirkungen haben können.

Umwelt- und Bürgerprojekte
Mehrere Kinder sitzen nebeneinander an Laptops in einem hellen Klassenraum. Ein Mädchen im roten T-Shirt tippt konzentriert auf der Tastatur, während weitere Kinder im Hintergrund ebenfalls an ihren Geräten arbeiten. Eine erwachsene Person steht hinter ihnen und unterstützt sie.
© envato

Der Raspberry Pi hilft dabei, Umwelt und Energie bewusst zu beobachten. Mit Sensoren und kostenloser Software lassen sich Luftqualität, Temperatur oder Energieverbrauch messen – für zu Hause, für den Unterricht oder in Forschungsprojekten.

Für die Umsetzung braucht es auch gar nicht so viel:

  • Raspberry Pi 4 oder 5 als Zentraleinheit

  • Sensoren für Feinstaub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Helligkeit

  • microSD-Karte mit Betriebssystem und Messsoftware

  • Internetverbindung zur Datenspeicherung oder Anzeige auf einem Dashboard

  • optional Display oder LED-Anzeige für lokale Auswertung

Die Sensoren werden an die GPIO-Pins des Raspberry Pi angeschlossen und regelmäßig ausgelesen. Eine Software verarbeitet die Messwerte, speichert sie und stellt sie grafisch dar – etwa als Diagramm oder Echtzeit-Übersicht auf einem Monitor. Über WLAN können die Daten auch an ein Online-Dashboard (einer digitalen Übersichtstafel mit Diagrammen und Messwerten) gesendet werden, um sie mit anderen Messpunkten zu vergleichen oder über längere Zeit auszuwerten.

Auch im Bereich Energie und Nachhaltigkeit ist der Raspberry Pi vielseitig einsetzbar. Er überwacht beispielsweise den Stromverbrauch, misst den Ertrag von Solaranlagen oder steuert Heizungen und Bewässerungssysteme. In Schulen und Vereinen wird er genutzt, um anschaulich zu zeigen, wie Energie gewonnen und effizient genutzt werden kann.

Im Naturschutz hilft der Mini-Computer, Tiere zu beobachten und Lebensräume besser zu verstehen. Eine Kamera mit Bewegungssensor dokumentiert Wildtiere, während Mikrofone Vogelstimmen aufzeichnen. So lassen sich Veränderungen in der Natur direkt erfassen – ein wertvolles Werkzeug für Forschung, Bildung und Bürgerwissenschaft.

Diese Projekte machen ökologische Prozesse sichtbar und fördern den bewussten Umgang mit Ressourcen. Lernende erleben, wie digitale Technik zur Nachhaltigkeit beitragen kann – von der Energieeffizienz bis zum Artenschutz.

So wird der Raspberry Pi in Thüringen genutzt

In Thüringen wächst rund um den Raspberry Pi eine lebendige Tüftler- und Lernkultur. Der kleine Computer ist an vielen Orten im Einsatz – in Laboren, Werkstätten, Klassenzimmern und Vereinen. Überall entstehen Projekte, die zeigen, was passiert, wenn digitale Neugier auf praktisches Ausprobieren trifft.

TU Ilmenau: Robotik & KI in der Lehre

An der Technischen Universität Ilmenau ist der Raspberry Pi längst fester Bestandteil der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung. In der Basic Engineering School lernen Studierende, wie sich Sensorik, Programmierung und Künstliche Intelligenz praktisch verbinden – vom ersten Schaltkreis bis zum autonomen Robotersystem.

Beispielhafte Lehrformate wie das fortlaufende „Raspberry Pi Project“ zeigen, wie der Mini-Computer als Lern- und Forschungsplattform dient. Die Studierenden entwickeln praxisnahe Anwendungen: automatische Bewässerungssysteme, Raumklima-Monitore oder mobile Roboter, die Hindernissen selbstständig ausweichen.

In der Forschung nutzt die TU Ilmenau den Raspberry Pi ebenfalls. Ein Beispiel ist das Projekt „Raspberry Pi Serial Interface for Roomba Robots“, in dem eine serielle Schnittstelle – also eine direkte Datenverbindung zwischen Geräten – entwickelt wurde. Damit lassen sich Sensordaten und Steuerbefehle in Echtzeit austauschen, um Bewegungen präziser zu erfassen und zu steuern. Ergänzend dazu arbeiten Laborgruppen an Lösungen zur Schallerkennung mit Mikrofon-Arrays und an Lichtsteuerungssystemen für die Medientechnik.

Bauhaus-Universität Weimar: Datenerfassung im Bauwesen

An der Bauhaus-Universität Weimar treffen Baukunst, Informatik und Gestaltung aufeinander. Der Raspberry Pi wird hier genutzt, um Daten zu sammeln, Materialien zu untersuchen und technische Prozesse sichtbar zu machen. So entsteht ein spannendes Zusammenspiel von Forschung, digitalem Handwerk und kreativem Denken.

Im Bauingenieurwesen lernen Studierende im Bereich Intelligentes technisches Design, wie Sensoren Informationen über Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Bewegung erfassen. Der Pi überträgt diese Werte in digitale Modelle, die zeigen, wie Gebäude funktionieren und Energie effizient genutzt wird.

Auch in Medieninformatik und Medienkunst spielt der Mini-Computer eine Rolle. Beim sogenannten Physical Computing – dem kreativen Zusammenspiel von Elektronik, Sensorik und Gestaltung – entstehen Installationen, die auf Licht, Klang oder Bewegung reagieren. Der Raspberry Pi ermöglicht es, solche Ideen direkt auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

In diesem Hochschulkontext wurden z. B. folgende Projekte realisiert:

  • Digitaler ITD-Zwilling: Reale Bauwerke werden digital nachgebildet, um Energie- und Materialflüsse zu analysieren. Der Raspberry Pi liefert dabei Messdaten direkt aus dem Gebäude.

  • RasPyre: Eine offene Software, mit der Messwerte auf Baustellen erfasst und in Echtzeit ausgewertet werden – die Grundlage für nachhaltige Bau- und Materialforschung.

Universität Jena: Lernroboter, Biologie und Umwelttechnik

An der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeiten mehrere Fakultäten mit dem Raspberry Pi – von Mathematik und Informatik über Chemie bis zu den Biowissenschaften. Der Mini-Computer wird dort als flexible Plattform für Lehre und Forschung genutzt, um Daten zu erfassen, zu steuern und auszuwerten.

  • In der Fakultät für Mathematik und Informatik entstehen Lernroboter und kleine Rechnercluster, die Sensordaten verarbeiten und vernetzt kommunizieren.

  • Der MINT-Campus Jena nutzt den Raspberry Pi zur Steuerung automatischer Bewässerungssysteme mit Feuchte- und Temperatursensoren.

  • In der Fakultät für Biowissenschaften dienen Pi-Kameras der Langzeitbeobachtung von Pflanzen und Insekten – etwa im Rahmen von Projekten zur Biodiversitätsforschung.

  • In der Fakultät für Chemie und Geowissenschaften werden Feinstaub- und Partikelsensoren über den Raspberry Pi ausgelesen, um Luftqualität und Umweltparameter zu messen.

So verbindet Jena digitale Bildung mit Nachhaltigkeit und wird hier zum Bindeglied zwischen Technik, Naturbeobachtung und praktischer Forschung.

Hochschule Nordhausen: Smarte Energie & Nachhaltigkeit

An der Hochschule Nordhausen steht praxisnahes Lernen im Mittelpunkt. Studierende der Ingenieurwissenschaften entwickeln in modernen Laboren Lösungen, wie digitale Systeme Messwerte erfassen, auswerten und steuern können. Der Raspberry Pi dient dabei als anschauliche Plattform, um Grundlagen der Programmierung, Automatisierung und Energietechnik praktisch zu erproben.

Beispielhafte Lehrfelder:

  • Im Labor für Softwareengineering lernen Studierende, wie eingebettete Systeme mit Sensoren und Schnittstellen kommunizieren. Der Pi wird hier genutzt, um Softwaretests und Steuerprozesse realitätsnah zu simulieren.

  • Das Labor für Bildverarbeitung setzt den Pi ein, um Kamerasysteme anzusteuern und Sensordaten zu analysieren, etwa bei der Erkennung von Bewegung oder Helligkeit.

  • In Modulen wie Sensortechnik, Regelungstechnik oder Schaltungstechnik werden Grundlagen zu Mess- und Steuerprozessen vermittelt, die sich direkt mit Pi-Hardware nachvollziehen lassen.

Solche Lehrformate bereiten Studierende darauf vor, digitale Systeme für Energieeffizienz, Umwelttechnik und Nachhaltigkeit zu gestalten – ein Kernprofil der Hochschule Nordhausen.

Fraunhofer IDMT Ilmenau: Akustik & Sensorik

In Ilmenau erforscht das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) praxisnahe Anwendungen aus den Bereichen Klang, Akustik und Lernende Sensorsysteme. Gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau entwickelt das Institut Technologien, mit denen sich Geräusche präzise erfassen, analysieren und steuern lassen.

Die Forschungsfelder im Überblick:

  • Bei der Analyse von Umgebungsgeräuschen werden Systeme entwickelt, die Lärmquellen automatisch erkennen und bewerten – etwa zur Überwachung von Maschinen oder zur Lärmminderung im Stadtverkehr. Der Raspberry Pi dient dabei als energieeffiziente Recheneinheit zur Datenerfassung und Vorverarbeitung.

  • In der Forschung zu Sound Field Control, also der gezielten Steuerung von Schallfeldern, nutzt das IDMT kompakte Rechner wie den Raspberry Pi, um Lautsprecher und Sensoren zu steuern und Klangräume präzise zu gestalten.

  • Ein Raspberry-Pi-Messsystem zur Lautsprecheranalyse ermöglicht es, akustische Parameter direkt im Labor zu bestimmen. Diese Entwicklung wurde auf der Fachkonferenz DAGA 2023 vorgestellt und zeigt, wie flexible Mini-Computer die Akustikforschung beschleunigen.

Offene Lernorte: Makerspaces & Schullabore

In Thüringen entstehen immer mehr offene Lernorte, an denen Menschen Technik gemeinsam entdecken können. Makerspaces – also frei zugängliche Werkstätten für digitale und handwerkliche Projekte – sowie Schülerlabore bieten Raum zum Tüfteln, Programmieren und Ausprobieren. Häufig kommt dabei auch der Raspberry Pi zum Einsatz.

Einige dieser frei zugänglichen Lernorte sind z. B.:

  • Lichtwerkstatt Jena: Photonik-Makerspace an der Universität Jena, in dem Sensorik- und Elektronikprojekte mit dem Raspberry Pi umgesetzt werden

  • Schülerforschungszentrum Ilmenau: gemeinsames Labor von TU Ilmenau und Fraunhofer IDMT für Robotik- und Programmierprojekte

  • MINT-Workshops Erfurt: landesweite Ferien- und Schulprojekte, die junge Menschen an Coding, Robotik und Mikrocontroller heranführen

  • Humboldt-Gymnasium Nordhausen: Robotik-AG, in der Jugendliche mit LEGO, Arduino und Raspberry Pi eigene Roboter entwickeln

  • EAH-Makerspace und StarUpLab Jena: Werkstatt der Ernst-Abbe-Hochschule mit 3D-Druck, Elektronik und Programmierkursen, in der Studierende und Interessierte eigene Pi-Projekte realisieren

Solche Orte fördern den offenen Zugang zu digitalem Wissen und zeigen, wie Lernen außerhalb des Klassenzimmers gelingt. Hier wird greifbar, was digitale Bildung bedeutet: gemeinsames Ausprobieren, Neugier und Kreativität.

Ausblick: Chancen für Bildung, Stadt & Gesellschaft

Der Raspberry Pi hat sich von einer Lernplatine zum Motor einer offenen Technikkultur entwickelt. In Thüringen wird sichtbar, welches Potenzial darin steckt: Studierende erforschen intelligente Systeme, Schulen experimentieren mit Robotik und Sensorik, und Forschungsprojekte eröffnen neue Wege für Energie und Umwelt.

Gerade seine Einfachheit macht den Mini-Computer so wertvoll. Er ist günstig, robust und vielseitig – ideal, um technische Zusammenhänge zu verstehen und eigene Lösungen zu entwickeln. Daraus entsteht ein Lernumfeld, das Forschung, Bildung und Praxis enger zusammenbringt – mit Chancen für nachhaltige Technologien und digitale Kompetenzen gleichermaßen.

So zeigt der Raspberry Pi, wie sich Digitalisierung gestalten lässt: nicht als abstraktes Konzept, sondern als gemeinsame Aufgabe, die Neugier, Wissen und Kreativität verbindet.

Eine Person sitzt vor einem offenen Mining-Rig mit mehreren Grafikkarten und Kühlern, während sie auf einem Tablet mit laufenden Terminalausgaben arbeitet. Kabel und Hardwarekomponenten sind sichtbar auf einem Metallrahmen montiert.
© envato

FAQs

Kann man einen Raspberry Pi auch in Schulen einsetzen?

Ja, der Raspberry Pi eignet sich hervorragend für den Schulunterricht. Er wird weltweit im Informatik- und Technikunterricht genutzt, um Programmierung, Elektronik oder Robotik praktisch zu vermitteln. Durch den geringen Preis und die einfache Handhabung können ganze Klassen mit eigenen Geräten arbeiten, ideal für Projektarbeit, Coding-AGs oder Experimente in den Naturwissenschaften.

Kann man den Raspberry Pi ohne Vorkenntnisse nutzen?

Ja, der Raspberry Pi ist genau dafür entwickelt worden: um Technik verständlich zu machen – auch ohne Programmiererfahrung. Der Einstieg gelingt über einfache grafische Lernumgebungen wie Scratch oder mit Projekten, die Schritt für Schritt erklärt werden, etwa das Anschließen von LEDs oder das Messen von Temperatur.

Wie kann ein Raspberry Pi verwendet werden?

Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielseitig. Der Mini-Computer kann Daten messen, verarbeiten oder Geräte steuern. Typische Anwendungen sind Smart-Home-Projekte, Medienserver, kleine Roboter, Wetterstationen oder Umweltmessungen. Und in Schulen und Forschungseinrichtungen hilft er u. a. als Lernplatine, um Energieflüsse zu beobachten oder technische Abläufe zu automatisieren.

Auf welchem Betriebssystem läuft ein Raspberry Pi?

Der Raspberry Pi nutzt in der Regel das Betriebssystem Raspberry Pi OS – eine leicht angepasste Version von Linux. Es ist kostenlos, einfach zu installieren und bringt viele Lernprogramme bereits mit. Wer möchte, kann auch andere Systeme verwenden, etwa Ubuntu oder spezielle Varianten für Medienserver oder Spieleprojekte.