So wird der Raspberry Pi in Thüringen genutzt
In Thüringen wächst rund um den Raspberry Pi eine lebendige Tüftler- und Lernkultur. Der kleine Computer ist an vielen Orten im Einsatz – in Laboren, Werkstätten, Klassenzimmern und Vereinen. Überall entstehen Projekte, die zeigen, was passiert, wenn digitale Neugier auf praktisches Ausprobieren trifft.
TU Ilmenau: Robotik & KI in der Lehre
An der Technischen Universität Ilmenau ist der Raspberry Pi längst fester Bestandteil der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung. In der Basic Engineering School lernen Studierende, wie sich Sensorik, Programmierung und Künstliche Intelligenz praktisch verbinden – vom ersten Schaltkreis bis zum autonomen Robotersystem.
Beispielhafte Lehrformate wie das fortlaufende „Raspberry Pi Project“ zeigen, wie der Mini-Computer als Lern- und Forschungsplattform dient. Die Studierenden entwickeln praxisnahe Anwendungen: automatische Bewässerungssysteme, Raumklima-Monitore oder mobile Roboter, die Hindernissen selbstständig ausweichen.
In der Forschung nutzt die TU Ilmenau den Raspberry Pi ebenfalls. Ein Beispiel ist das Projekt „Raspberry Pi Serial Interface for Roomba Robots“, in dem eine serielle Schnittstelle – also eine direkte Datenverbindung zwischen Geräten – entwickelt wurde. Damit lassen sich Sensordaten und Steuerbefehle in Echtzeit austauschen, um Bewegungen präziser zu erfassen und zu steuern. Ergänzend dazu arbeiten Laborgruppen an Lösungen zur Schallerkennung mit Mikrofon-Arrays und an Lichtsteuerungssystemen für die Medientechnik.
Bauhaus-Universität Weimar: Datenerfassung im Bauwesen
An der Bauhaus-Universität Weimar treffen Baukunst, Informatik und Gestaltung aufeinander. Der Raspberry Pi wird hier genutzt, um Daten zu sammeln, Materialien zu untersuchen und technische Prozesse sichtbar zu machen. So entsteht ein spannendes Zusammenspiel von Forschung, digitalem Handwerk und kreativem Denken.
Im Bauingenieurwesen lernen Studierende im Bereich Intelligentes technisches Design, wie Sensoren Informationen über Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Bewegung erfassen. Der Pi überträgt diese Werte in digitale Modelle, die zeigen, wie Gebäude funktionieren und Energie effizient genutzt wird.
Auch in Medieninformatik und Medienkunst spielt der Mini-Computer eine Rolle. Beim sogenannten Physical Computing – dem kreativen Zusammenspiel von Elektronik, Sensorik und Gestaltung – entstehen Installationen, die auf Licht, Klang oder Bewegung reagieren. Der Raspberry Pi ermöglicht es, solche Ideen direkt auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
In diesem Hochschulkontext wurden z. B. folgende Projekte realisiert:
Digitaler ITD-Zwilling: Reale Bauwerke werden digital nachgebildet, um Energie- und Materialflüsse zu analysieren. Der Raspberry Pi liefert dabei Messdaten direkt aus dem Gebäude.
RasPyre: Eine offene Software, mit der Messwerte auf Baustellen erfasst und in Echtzeit ausgewertet werden – die Grundlage für nachhaltige Bau- und Materialforschung.
Universität Jena: Lernroboter, Biologie und Umwelttechnik
An der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeiten mehrere Fakultäten mit dem Raspberry Pi – von Mathematik und Informatik über Chemie bis zu den Biowissenschaften. Der Mini-Computer wird dort als flexible Plattform für Lehre und Forschung genutzt, um Daten zu erfassen, zu steuern und auszuwerten.
In der Fakultät für Mathematik und Informatik entstehen Lernroboter und kleine Rechnercluster, die Sensordaten verarbeiten und vernetzt kommunizieren.
Der MINT-Campus Jena nutzt den Raspberry Pi zur Steuerung automatischer Bewässerungssysteme mit Feuchte- und Temperatursensoren.
In der Fakultät für Biowissenschaften dienen Pi-Kameras der Langzeitbeobachtung von Pflanzen und Insekten – etwa im Rahmen von Projekten zur Biodiversitätsforschung.
In der Fakultät für Chemie und Geowissenschaften werden Feinstaub- und Partikelsensoren über den Raspberry Pi ausgelesen, um Luftqualität und Umweltparameter zu messen.
So verbindet Jena digitale Bildung mit Nachhaltigkeit und wird hier zum Bindeglied zwischen Technik, Naturbeobachtung und praktischer Forschung.
Hochschule Nordhausen: Smarte Energie & Nachhaltigkeit
An der Hochschule Nordhausen steht praxisnahes Lernen im Mittelpunkt. Studierende der Ingenieurwissenschaften entwickeln in modernen Laboren Lösungen, wie digitale Systeme Messwerte erfassen, auswerten und steuern können. Der Raspberry Pi dient dabei als anschauliche Plattform, um Grundlagen der Programmierung, Automatisierung und Energietechnik praktisch zu erproben.
Beispielhafte Lehrfelder:
Im Labor für Softwareengineering lernen Studierende, wie eingebettete Systeme mit Sensoren und Schnittstellen kommunizieren. Der Pi wird hier genutzt, um Softwaretests und Steuerprozesse realitätsnah zu simulieren.
Das Labor für Bildverarbeitung setzt den Pi ein, um Kamerasysteme anzusteuern und Sensordaten zu analysieren, etwa bei der Erkennung von Bewegung oder Helligkeit.
In Modulen wie Sensortechnik, Regelungstechnik oder Schaltungstechnik werden Grundlagen zu Mess- und Steuerprozessen vermittelt, die sich direkt mit Pi-Hardware nachvollziehen lassen.
Solche Lehrformate bereiten Studierende darauf vor, digitale Systeme für Energieeffizienz, Umwelttechnik und Nachhaltigkeit zu gestalten – ein Kernprofil der Hochschule Nordhausen.
Fraunhofer IDMT Ilmenau: Akustik & Sensorik
In Ilmenau erforscht das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) praxisnahe Anwendungen aus den Bereichen Klang, Akustik und Lernende Sensorsysteme. Gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau entwickelt das Institut Technologien, mit denen sich Geräusche präzise erfassen, analysieren und steuern lassen.
Die Forschungsfelder im Überblick:
Bei der Analyse von Umgebungsgeräuschen werden Systeme entwickelt, die Lärmquellen automatisch erkennen und bewerten – etwa zur Überwachung von Maschinen oder zur Lärmminderung im Stadtverkehr. Der Raspberry Pi dient dabei als energieeffiziente Recheneinheit zur Datenerfassung und Vorverarbeitung.
In der Forschung zu Sound Field Control, also der gezielten Steuerung von Schallfeldern, nutzt das IDMT kompakte Rechner wie den Raspberry Pi, um Lautsprecher und Sensoren zu steuern und Klangräume präzise zu gestalten.
Ein Raspberry-Pi-Messsystem zur Lautsprecheranalyse ermöglicht es, akustische Parameter direkt im Labor zu bestimmen. Diese Entwicklung wurde auf der Fachkonferenz DAGA 2023 vorgestellt und zeigt, wie flexible Mini-Computer die Akustikforschung beschleunigen.
Offene Lernorte: Makerspaces & Schullabore
In Thüringen entstehen immer mehr offene Lernorte, an denen Menschen Technik gemeinsam entdecken können. Makerspaces – also frei zugängliche Werkstätten für digitale und handwerkliche Projekte – sowie Schülerlabore bieten Raum zum Tüfteln, Programmieren und Ausprobieren. Häufig kommt dabei auch der Raspberry Pi zum Einsatz.
Einige dieser frei zugänglichen Lernorte sind z. B.:
Lichtwerkstatt Jena: Photonik-Makerspace an der Universität Jena, in dem Sensorik- und Elektronikprojekte mit dem Raspberry Pi umgesetzt werden
Schülerforschungszentrum Ilmenau: gemeinsames Labor von TU Ilmenau und Fraunhofer IDMT für Robotik- und Programmierprojekte
MINT-Workshops Erfurt: landesweite Ferien- und Schulprojekte, die junge Menschen an Coding, Robotik und Mikrocontroller heranführen
Humboldt-Gymnasium Nordhausen: Robotik-AG, in der Jugendliche mit LEGO, Arduino und Raspberry Pi eigene Roboter entwickeln
EAH-Makerspace und StarUpLab Jena: Werkstatt der Ernst-Abbe-Hochschule mit 3D-Druck, Elektronik und Programmierkursen, in der Studierende und Interessierte eigene Pi-Projekte realisieren
Solche Orte fördern den offenen Zugang zu digitalem Wissen und zeigen, wie Lernen außerhalb des Klassenzimmers gelingt. Hier wird greifbar, was digitale Bildung bedeutet: gemeinsames Ausprobieren, Neugier und Kreativität.